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JANUAR - MÄRZ 2016
 
Tim Lüken über ...
 

INNOVATIONSMANAGEMENT 4.0


Oder: Wie wir einer zunehmenden Digitalisierung und Komplexität begegnen können. Und warum Innovationen weit über ein reines Produktdenken hinausgehen müssen

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Tim Lüken hat einen interessanten Werdegang: Nach seinem Abitur konnte er sich wohl nicht entscheiden, ob er sich mehr seinem handwerklichen Geschick widmen oder doch lieber seiner "wissenschaftlichen Neugierde" für Technologien nachgehen sollte. Also machte er einfach beides gleichzeitig: die Ausbildung zum Facharbeiter und Industriemechaniker und ein Studium an der Georg-­Simon-Ohm Hochschule für angewandte Wissenschaften in Nürnberg. Und weil ihm das offensichtlich noch nicht genug war, setzte er noch einen Master in Business Innovation an der EBS Business School (Oestrich-­Winkel) "drauf", wo er sich u.a. der Konzeption einer internen Open Innovation-Plattform widmete.

Dass er sich dann in seiner Freizeit alten (!) Kulturtechniken widmet, wie etwa dem Schreinern, scheint wohl der natürliche Ausgleich zu sein, den "Mensch" in Zeiten einer zunehmend komplexen, digitalisierten und industrialisierten Welt braucht, um den Kopf wieder frei von all den innovativen Konzepten und Ansätzen im Rahmen seiner Kundenprojekte zu bekommen.

Das Gespräch mit Tim Lüken führte Christiane Steuer.

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Über technische Herausforderungen, die neben dem
Not-invented-here-Syndrom verblassen. Und über den Faktor Zeit!

Christiane: Tim, bereits während deiner Ausbildung hast du dich mit Open Innovation-Plattformen beschäftigt. Was sind deiner Meinung nach "die" Herausforderungen für Unternehmen? Welche Faktoren sind bei einer Implementierung von Innovationsplattformen zu beachten? 

Tim: Neben den technischen Herausforderungen ist das Not-invented-here-Syndrom – also die Ablehnung von Lösungen außerhalb des eigenen Bereichs – ein großer Hemmschuh. Damit ist aber nicht nur die Ablehnung von UNTERNEHMENSEXTERNEN Ideen gemeint. Sondern häufig werden auch INTERNE Ideen und Lösungsansätze abgelehnt, sobald sie von Mitarbeitern kommen, die in anderen Unternehmensbereichen bzw. -abteilungen tätig sind. Das Not-invented-here-Syndrom ist meiner Meinung nach also die größte Hürde bei der erfolgreichen Implementierung von Neuem. Zudem räumt man solchen Prozessen oftmals  zu wenig Zeit ein oder fokussiert die billigste Lösung. Und vielen ist offensichtlich nicht bewusst, dass eine Open Innovation-Plattform nicht nur technischen Anforderungen gerecht werden muss, sondern dass beispielsweise auch spielerische Elemente die Etablierung sämtlicher Kulturaspekte im Unternehmen unterstützen.

Christiane: Gerade in den letzten Jahren haben sich im Bereich Industrie sehr große Veränderungen vollzogen. Industrie 4.0 scheint mittlerweile in den Köpfen der
Manager – auch beim Mittelstand – angekommen zu sein. Welche Dinge gilt es aber REAL zu beachten? Und was sagst du als "gelernter" Industriemechaniker zu all diesen Entwicklungen?


Über einen abstrakten Begriff , der zum gemeinsamen "Industrie 4.0-Baby" werden kann. Und über Walk the Talk!

Tim: Wie bei allen Veränderungen sollte man darauf achten, die Leute von Anfang an "mitzunehmen" und einzubinden – abteilungsübergreifend wohlgemerkt. Ich habe beispielsweise sehr gute Erfahrungen damit gemacht, gemeinsam mit Mitarbeitern aus der Produktion zusammenzuarbeiten. Durch die unterschiedlichen Zugänge kamen am Ende sehr kreative Ansätze heraus. Am meisten hat mich die Umsetzungsgeschwindigkeit beeindruckt, die dort vorherrscht. Wenn in der Produktion eine gute Idee vorhanden ist, wird nicht lange "herumdiskutiert".  Vielmehr wird eine rasche Umsetzung forciert – ganz nach dem Motto: WALK THE TALK! Eine derartige Vorgehensweise würde auch bei der Umsetzung von Industrie 4.0 helfen. Es geht also darum, frühzeitig möglichst viele Mitarbeiter einzubinden, um gemeinsam anhand von REALEN Problemstellungen neue Lösungen im Kontext von Industrie 4.0  zu erarbeiten. Das garantiert, dass ein derart "abstraktes" Thema für alle sofort greifbar wird. Und man zieht von Anfang am "gleichen Strang". 

Christiane: Nun ist es ja so, dass Innovationen immer mehr systemisch angedacht werden müssen. Reine Produktinnovationen reichen als Antwort auf die Anforderungen der Zeit nicht mehr aus. Man denke nur an Themen wie Sicherung von bezahlbarer Versorgung mit Wasser und Energie für sieben bis acht Milliarden Menschen in den nächsten Jahrzehnten, Entwicklung von neuen, umweltfreundlichen Mobilitäts- und Transportsystemen und .. und ... und. Wie muss man sich Innovationen in Zeiten wie diesen vorstellen? Oder anders gesagt: Wie muss ein Innovationsmanagement 4.0 aussehen?


Über die Beherrschung von dynamischen Bedürfnissen und von Komplexität! Und über eine darauf aufbauende Produktentwicklung!

Tim: Ich glaube, dass es in Zukunft immer weniger  "die eine" Lösung für ALLE geben wird. Denn die Bedürfnisse gehen weltweit immer noch weiter auseinander und verändern sich stetig. Das heißt z. B. im Kontext von Mobilität, dass die Mobilitätsbedürfnisse in urbanen Räumen ganz andere sind als in ländlichen Gebieten. Zudem ist es ein Unterschied, ob die Nutzergruppe über ein hohes oder geringes Einkommen verfügt. Und wenn man dann noch zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern unterscheidet, hat man schon einen sehr hohen Grad an Komplexität erreicht, was die verschiedenen Bedürfnisse global betrifft.

Und gerade diese Strukturen zu erarbeiten und die Komplexität zu beherrschen, sind meines Erachtens die Aufgaben des Innovationsmanagements der Zukunft. Es geht um eine "saubere" Herleitung von Bedürfniswelten zur Erarbeitung von Themen- und Trendfeldern, sodass dann im Anschluss daran eine Produktentwicklung erfolgen kann, die die jeweiligen Bedürfnisse der Nutzer adressiert.

Christiane: Vielen Dank für das Gespräch!

 
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In regelmäßigen Abständen werden IMP-Mitarbeiter in Form eines Interviews vorgestellt. Schauen Sie also immer wieder "rein" – in unsere Homepage. Denn auch die begleitenden Sachinformationen könnten für Sie von Interesse sein.

 







BEITRAG 01-03/2016

 

"Strukturen erarbeiten und die Komplexität beherrschen: Das sind die Aufgaben des Innovationsmanagements der Zukunft", betont Tim Lüken in unserem Interview. Und er weiß, wovon er spricht: Jahrelang war er bei der Schaeffler Technologies AG & Co. KG als Spezialist für Innovationsmanagement tätig. Nun bringt er sein Know-how bei IMP ein.

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