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SEPTEMBER/OKTOBER 2014
 
Mitarbeiter im Fokus
 

ALEXANDER ETTINGER ÜBER "H" WIE

HIRNFORSCHUNG, HUNDE & HUSKIES

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Es mag wie ein Zufall erscheinen, dass Alexander Ettinger sich gerne mit Dingen beschäftigt, die mit dem Buchstaben "H" beginnen. Ist es auch. Denn neben seinen Interessensgebieten wie Hirnforschung, Hunde im Allgemeinen und Huskies im Besonderen (er besitzt selbst zwei "Exemplare" davon) betreibt er eine Kampfsportart, die jedoch ausnahmsweise mit dem Buchstaben "J" beginnt: J wie Judoka. Hier ist er seit vielen Jahren als Sportler und Trainer aktiv und trainiert Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zur "Spitze".

Doch das nur so ganz nebenbei. Was UNS – und vielleicht auch SIE – besonders interessiert(e), war, wie er das Thema "H wie Hirnforschung" in Zusammenhang mit Führungsarbeit und Innovationen sieht. Das Gespräch führte Johann Wiespointner ...
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Johann: Alexander, du hast ja sehr viele Interessen und Hobbies. Doch bleiben wir bei deinem wissenschaftlichen "Steckenpferd" und reden wir über Hirnforschung. Hier kennst du dich offensichtlich sehr gut aus, zumal du dir als "Bettlektüre" regelmäßig Bücher von Gerald Hüther, Martin Korte, Wolf Singer, Martin Spitzer und vielen anderen renommierten Größen in diesem Bereich zu Gemüte führst. Was fasziniert dich an diesem Thema?

Alexander: Ich finde, man kann nicht nur als Mensch sehr viel lernen, wenn man sich mit dem Gehirn und seinen Funktionen beschäftigt, sondern man kann auch sehr viele Parallelen für ein Unternehmen ableiten – insbesondere wenn es um Führungsarbeit und Innovationen geht.

Johann: Und in diesem Zusammenhang kommt man sehr schnell auf den sogenannten "Innovationsgeist" zu sprechen. Was kannst du uns diesbezüglich sagen? Warum klagen so viele Manager und Führungskräfte, dass der Innovationsgeist im eigenen Unternehmen verloren gegangen ist?

Wie man den Innovationsgeist in Unternehmen
"erscheinen" lassen kann

Alexander: In seinem Buch „Was wir sind und was wir sein könnten“ beschreibt der Hirnforscher Gerald Hüther eindrucksvoll, dass sich unser Gehirn genau so entwickelt, wie wir es mit Begeisterung (!) benutzen. Die Betonung liegt hier auf BEGEISTERUNG. Wir Menschen können aber unsere Begeisterungsfähigkeit verlieren, so Hüther. Dann funktioniert das Gehirn zwar noch, aber es entwickelt sich nicht mehr weiter. Das eigene kreative Potenzial liegt brach. Ich würde daher einfach einmal behaupten, dass diese Unternehmen im ersten Schritt weniger Innovationen fordern, sondern zuallererst dafür Sorge tragen sollten, die eigenen Mitarbeiter (wieder) für das Unternehmen zu BEGEISTERN.

Johann: Klingt einfach, ist es aber offensichtlich nicht! Auch wir bekommen in unserer Arbeit manchmal eine gewisse Resignation bei den Mitarbeitern der Unternehmen zu spüren, die sich in mangelnder Begeisterung für die Sache selbst, für das Unternehmen, für die eigene Arbeit ... ausdrückt. Wie können Führungskräfte hier gegensteuern?

Alexander: Hüther spricht in diesem Zusammenhang von FREIHEIT auf der einen Seite und von VERBUNDENHEIT auf der anderen Seite, was natürlich im ersten Moment ein Widerspruch zu sein scheint. Er meinte dazu einmal im Rahmen eines Interviews: "Eigentlich müsste ein Unternehmen so organisiert sein, dass die Mitarbeiter ERLEBEN, dass sie sich mit ihrer ganzen Gestaltungskraft einbringen können." Für Unternehmen ginge es also darum, die Sehnsucht nach Freiheit, Autonomie und Gestaltungskraft, aber eben auch nach Verbundenheit zu stillen. Und diesbezüglich betont er immer wieder DREI Dinge, die wichtig sind:

  1. Das, wo der Mensch lebt und sich bewegt, muss verstehbar sein.
  2. Es muss gestaltbar sein.
  3. Es muss Sinn machen – es muss also für den Menschen in seinem eigenen Erleben sinnhaft und bedeutsam sein!

Das heißt "übersetzt", auch das betont Gerald Hüther immer wieder: "Ein Mitarbeiter muss in die Firma eingebettet sein und er muss wissen, wofür die Firma steht. Sonst ist er eine Ameise im Zug, die nicht weiß, wohin der Zug fährt. Also müsste die Firma für irgendetwas Verbindendes einstehen!" Den Vergleich mit der Ameise finde ich sehr anschaulich!

Johann: Bei all diesen erwähnten Aspekten handelt es sich aber lediglich um Rahmenbedingungen. Reichen diese tatsächlich aus, um mehr Begeisterung und Innovationskraft bei ALLEN Mitarbeitern auszulösen? Es wird doch sicherlich auch individuelle Unterschiede geben, oder?

Welche unbewussten Motivatoren bei der
Innovationskraft mitspielen

Alexander: Natürlich ist die Innovationskraft bei uns Menschen unterschiedlich ausgeprägt. Was diesbezüglich sicherlich eine sehr große Rolle spielt, sind unsere UNBEWUSSTEN Antriebskräfte. So weiß man inzwischen, dass sich bestimmte Menschentypen stärker zu NEUEM hingezogen fühlen als andere. Diese Menschen sind ständig dabei, etwas Innovatives zu entwerfen bzw. Bestehendes anders zu gestalten. Das Streben nach Neuem ist somit ein wichtiger Treiber für die gesamte Innovationskraft eines Unternehmens. Allerdings bedeutet das nicht, dass diese Mitarbeiter BESSERE Innovationen hervorbringen als etwa jene, die nach mehr Sicherheit und Balance streben. Diese Mitarbeiter sind zwar nicht derart aktiv wie die zuvor beschriebenen, bringen dafür aber ANDERE Typen von Innovationen hervor. So sind diese Personen zum Beispiel hochmotiviert, Produkte bzw. Dientleistungen zu entwickeln, die für mehr Sicherheit und Komfort sorgen.

Johann: Man kann also sagen: Um die richtigen Innovationen zu schaffen, müssen die richtigen Personen daran arbeiten. Sollten sich daher Personalverantwortliche mehr mit diesem Thema und damit mit der Gehirnforschung beschäftigen?

Alexander: Ja. Ich denke, sowohl bei der Auswahl der einzelnen Personen als auch bei der Teamzusammenstellung können die neuen Erkenntnisse der Hirnforschung von Nutzen sein. Das Thema "Antriebskräfte" kann aber nicht nur bei der AUSWAHL von MITARBEITERN im Zusammenhang mit unterschiedlichen Innovationstypen hilfreich sein, sondern auch bei der STRUKTURIERUNG der jeweiligen INNOVATIONSZIELFELDER eines Unternehmens. Das heißt: Man muss sich die Frage stellen, für welche Zielgruppe, für welche potenziellen Kunden, eine Innovation Werte schaffen bzw. einen Nutzen bringen soll: für jene Menschen, die nach SICHERHEIT bzw. BALANCE streben oder für jene, die sich nach VERÄNDERUNG bzw. STIMULANZ sehnen?

Johann: Danke für das geist- bzw.  "hirnreiche" Gespräch! Vielleicht motiviert es ja den einen oder anderen Leser, sich noch mehr mit diesem Thema zu beschäftigen.

 
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Haben Sie sich schon einmal den Kopf darüber "zerbrochen", was ein Unternehmen von der Hirnforschung lernen kann? Warum der Innovations-Geist vielerorts einfach nicht "erscheint"? Oder welche unbewussten Motivatoren bei Innovationen mitspielen – sowohl beim Produzenten als auch beim Konsumenten? Nein? Dann wird es höchste Zeit!

 Foto: Alexander Ettinger über Hirnforschung und Innovationsgeist


ALEXANDER ETTINGER
im Gespräch mit Johann Wiespointner

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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