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PLäDOYER FüR INDIVIDUALITäT UND VIELFALT
 
 

Von Yannick Dillinger, Schwäbisch Media

ESSLINGEN Führungskräfte müssen Individualität fördern, statt Einheitsbrei zu akzeptieren, Stärken stärken statt permanent nur Schwächen auszugleichen, neue Fragen zulassen, statt nur Antworten einzufordern: Professor Markus Hengstschläger hat beim Symposium "Macht. Führung. Sinn." in Esslingen am Donnerstag ein flammendes Plädoyer auf den eigenständigen, mit individuellen Talenten ausgestatteten Mitarbeiter gehalten - und dabei klar gemacht: Wer die Grundvoraussetzungen einzelner Arbeitnehmer anerkennt und fördert, der tut Gutes für das große Ganze, der legt den Grundstein für langfristigen Erfolg. Seine Grundthese lautet: Nur Vielfalt bringt Erfolg.

In einer immer komplexer werdenden Welt sieht der Genetiker jene Unternehmen im Vorteil, die Totschlagargumente wie "Haben wir schon immer so gemacht" nicht länger akzeptieren. Er hält auch nichts davon, wenn Firmen ständig nur ihr eigenes Süppchen kochen und keine Einflüsse von außen zulassen. "Wir benötigen eine Durchmischung", plädierte er in Esslingen - und zog einen seiner vielen Vergleiche zur Genetik. "Wenn sich ständig nur Menschen mit ähnlicher Genetik befruchten, kommt immer das Gleiche raus. Wir brauchen aber Individuen - und deshalb muss man aus seiner eigenen Pfütze auch mal raus und sich mit anderen verbinden." Ehe man diese Symbiose allerdings einginge, solle man seine eigenen Grundvoraussetzungen durch Üben, Üben, Üben perfektionieren. "Nur Talent kann langfristig nicht zu Erfolg führen", ist Hengstschläger überzeugt.

Viel Zustimmung in Form von kollektivem Kopfnicken erntete der Experte für seinen Exkurs in den Lebensalltag eines Schülers, der in vier Fächern eine "Ungenügend" und in einem Fach ein "Sehr gut" hat. In den allermeisten Fällen werde einem solchen Kind gesagt: "Komm, lass dein gutes Fach sein. Da bist du eh stark. Jetzt mach aber mal was in deinen schlechten Fächern." Diese Herangehensweise sei kontraproduktiv. Sicher könne man das Schlechte nicht einfach schlecht lassen. Aber: "Wir wenden viel zu viel Zeit auf für Dinge, die wir nicht können. Wir müssen aber vielmehr die Dinge ausbauen, die wir schon können", ist Hengstschläger überzeugt. Und genau da sieht er auch die Führungskräfte in der Pflicht. Diese müssten sich viel stärker um die Grundvoraussetzungen derjenigen kümmern, mit denen sie arbeiten - und dann auch sicherstellen, dass Wissen weitergegeben werde, sodass sich Menschen weiterentwickeln könnten. "So übrigens ist das erfolgreichste Konzept der Welt überhaupt möglich gewesen: die Evolution."

Mittels eines weiteren Exkurses in den Schulalltag verdeutlichte der Experte, weshalb seiner Meinung nach Individualität Trumpf ist: Eine Schulklasse steht in einer Turnhalle. Der Lehrer sagt: "Gleich kommt ein neuer Ball. Von wo er kommt und wohin er geht, weiß ich nicht. Aber wenn man den Durchschnitt der bisherigen Ziele betrachtet, stellt ihr euch am besten in die Mitte." Das tun die Kinder - und fangen keinen Ball. Zuhause erzählt ein Schüler die Geschichte seiner Mutter. Diese ist zunächst entsetzt - bis sie erfährt, dass sich doch alle anderen auch in die Mitte gestellt haben. Dann könne das Verhalten des eigenen Sprösslings ja so schlecht nicht sein.

Doch, findet Hengstschläger. Durch den Einheitsbrei könne einem überraschenden Moment nie adäquat begegnet werden. "Nie haben wir das Morgen so wenig gekannt wie heute. Dem können wir nur effizient begegnen, indem wir individuell sind", so Hengstschläger. Deshalb sein Plädoyer: Führungskräfte müssen Individualität fördern, statt Einheitsbrei zu akzeptieren, Stärken stärken statt permanent nur Schwächen auszugleichen, neue Fragen zulassen, statt nur Antworten einzufordern.(Aktualisiert: 29.06.2013 16:26)
 

 
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UNIV.-PROF. DR. MARKUS HENGSTSCHLÄGER
Humangenetiker, Uni Wien

"Warum Vielfalt auch in der Führungsarbeit existenziell ist"

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