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KOLUMNE MäRZ/APRIL 2014
 
Prof. Karl Rose im Gespräch mit IMP und dem WirtschaftsBlatt über
 

WACHSTUM & ENERGIE

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Die EU-Energie- und Klimapolitik befindet sich auf dem Scheideweg. Die gemeinschaftlichen Ziele für 2030 – konkret: CO2-Reduktion, erneuerbare Energien und Energieeffizienz – sorgen für heftige Diskussionen. Noch gibt es lediglich VORSCHLÄGE, welche Richtung die ab Herbst 2014 neu besetzte EU-Kommission einschlagen wird.

Prof. Karl Rose ist zwar davon überzeugt ist, dass die Erderwärmung „ganz klar vom Menschen beeinflusst wird“, was ein globales Problem darstellt und somit förmlich nach einer GLOBALEN LÖSUNG "schreit". Die Frage, die er sich aber trotzdem stellt, lautet: "Haben wir uns im vergangenen Jahrzehnt zu sehr auf die Klimaziele konzentriert und dabei den Blick dafür verloren, dass globale Unterschiede in der Energiepreisentwicklung unsere Wettbewerbsfähigkeit verändern – und zwar zu unserem Nachteil?" ________________________________________________________________

Zeit für einen "neuen Realismus" in der europäischen Energiedebatte?

Eine Energiewende herbeizuführen ist ohne Zweifel richtig und dringend notwendig. Doch offensichtlich funktioniert der eingeschlagene Weg nicht. Denn:

  • Die bestehenden regulatorischen UNSICHERHEITEN, gepaart mit den HOHEN  ENERGIEKOSTEN, führen seit geraumer Zeit zu Unternehmensabwanderungen und zu einer steigenden Anzahl von Menschen, die sich "Energie" schlicht und ergreifend nicht mehr leisten können.
     
  • Niedrige, vom Schiefergas-Boom beeinflusste Gaspreise in den USA und das „Schwächeln der europäischen Wirtschaft“ führen ebenfalls dazu, dass "BILLIGERE ENERGIE" wieder in den Fokus der EU-Energiepolitik rückt.
     
  • Ein zunehmender KAPITALABFLUSS aus Europa und die damit einhergehende Gefahr einer noch schwierigeren Arbeitsplatzsituation verstärken diesen "Trend" noch weiter.

Ist es also an der Zeit für einen neuen Realismus in der europäischen Energiedebatte? Die folgenden drei "realen" Statements von Prof. Rose bringen vielleicht zutage, was aufgrund eines übermotivierten "Energie-Romantizismus" gerne außer Acht gelassen wird. Womöglich würde eine NEUE SACHLICHKEIT*  nicht nur in der Literatur dazu verhelfen, sich von radikal-romantischen Bildern zu verabschieden, um auf Bais von Fakten und realen Abbildungen der Wirklichkeit auf die Zukunft zu "bauen".

Realität 1: Es wird keine Entspannung bei den Energiepreisen geben

Energie kann von ihrer Struktur her nicht billiger werden. Daher gilt:  Wer nachhaltige und grüne Energie haben will, wird mehr dafür bezahlen müssen. Die massiven Förderungen von erneuerbarer Energie – vor allem in Deutschland – führen lediglich dazu, dass „Europa in Strom ertrinkt, wenn die Sonne scheint oder der Wind kräftig weht. Der Strom wird dadurch für die Kunden aber letztendlich nicht billiger. Im Gegenteil: Die Erzeuger können ihre erhöhten Kosten oft nicht mehr decken und müssen den Preis den Kunden gegenüber erhöhen.

Realität 2: Die Vorstellung eines nahenden Öl-Peaks ist falsch und bedingt falsche Schlussfolgerungen

Bereits im Jahr 2000 war die „Peak Oil“-Debatte voll im Gange. Die einen waren und sind der Meinung, der Scheitelpunkt in der Ölförderung sei in wenigen Jahren erreicht. Andere verweisen auf große Reserven an Teersand und Ölschiefer. Fakt ist aber: Mit den neuen technologischen Möglichkeiten wie Fracking (seien sie auch noch so umstritten) können noch bis weit nach (!) 2050 große Mengen an Öl und Gas gewonnen werden. Das scheinbare Ende unserer Ölreserven ist also das falsche Argument für erneuerbare, "grüne"  Energien. Die Diskussionen laufen auch sehr häufig deshalb in die falsche Richtung, weil Öl immer als ein GEGENSPIELER der erneuerbaren Energie gesehen wird. Das ist insbesondere deshalb eine "falsche" Sichtweise, weil Öl primär für den TRANSPORT und nicht für die STROMERZEUGUNG verwendet wird. Eine klare Kommunikation diesbezüglich ist Voraussetzung für die Schaffung von Alternativen.

Realität 3: Entscheidungen rund um die Energiewende in Deutschland wirken sich zu 100 Prozent auf Österreich aus

Da Deutschland und Österreich über einen gemeinsamen Strommarkt verbunden sind, wird sich die Situation für die E-Wirtschaft auch hierzulande verschärfen. Die Effekte der deutschen Energiewende werden sich 2014 und 2015 definitiv auch in Österreich bemerkbar machen. Aufgrund der immensen Abhängigkeit Österreichs von den Entscheidungen Deutschlands ist es also unbedingt notwendig, exakt zu verstehen, was in Deutschland unter der neuen Regierung passieren wird.

Zeit für die richtigen energiepolitischen Entscheidungen?

Aber vor allem die richtigen energiepolitischen Entscheidungen auf EU-Ebene auf Basis oben angeführter "Realitäten" werden maßgeblich für unseren wirtschaftlichen Erfolg entscheidend sein. Bleibt zu hoffen, dass ein realistischer Zugang der Entscheidungsträger dazu führt, eine NEUE SACHLICHKEIT im Sinne aller an den Tag legen zu können.


HINWEIS:

Mit unseren Kolumnen möchten wir Ihnen immer wieder kurze Impulse zu relevanten Management-Themen frei zur Verfügung stellen. Versendet werden diese Kurzimpulse WILLKÜRLICH - und zwar per Mail. Wenn Sie den Erhalt unserer Kurz-IMPulse nicht dem Zufall überlassen möchten, dann lassen Sie sich doch in unseren Email-Verteiler aufnehmen. Damit ist garantiert, dass Sie JEDE Kolumne erhalten. Anmeldung unter a.moser@imp.at.

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Wir führten ein ausführliches Gespräch mit Prof. Karl Rose, der auch bei den
Vienna
Strategy Days am 6. Mai 2014 aufzeigen wird, warum der Wirtschaftsstandort Europa aufgrund energiepo
litischer Entwicklungen vor dramatischen Herausforderungen steht.





Prof. Karl Rose, Energieexperte

UNIV.-PROF. DI KARL ROSE ÜBER WACHSTUM & ENERGIE

Prof. Rose ist langjähriger Chefstratege Royal Dutch Shell | Senior Fellow beim World Energy Council für die Entwicklung globaler Energieszenarien 2050 | Universitätsprofessor für Strategisches Management an der Karl-Franzens-Universität Graz


*NEUE SACHLICHKEIT ...

bezeichnet eine Richtung der Literatur der Weimarer Republik, die sich nüchtern und realistisch vom Pathos des Expressionismus abgrenzt. An die Stelle emphatischer Wendungen und radikal-romantischer Bilder trat eine ernüchterte, oft kühl-distanzierte, beobachtende Haltung. Die Beobachtung und Abbildung der äußeren Wirklichkeit sowie die Konstruktion des Lebens auf der Basis von Fakten, bestimmen die „neusachliche“ Literatur der 1920er und 1930er-Jahre.

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