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M&M: MANAGEMENT & MOUNTAIN
 
 

Heiner Oberrauch im Gespräch mit IMP

Dass M&M mehr sein kann als bunte Schokolinsen, haben wir in der Bozner Zentrale der SALEWA Gruppe – im schönen Südtirol – erfahren. Hier stehen die beiden Initialen für „Management & Mountain“. Dahinter stehen Management-Kenntnisse und eine ausgeprägte Begeisterung für Berge – beides Kern-Aspekte, die bei SALEWA sowohl die Mitarbeiter als auch die Führungskräfte auszeichnen. Keiner verkörpert diese Fähigkeiten besser als Heiner Oberrauch selbst, der sich auch als „Marken- und Stimmungshüter“ des Unternehmens sieht. Vor allem die Stimmung – das Miteinander, die gegenseitige Wertschätzung und entsprechende Freiräume – spielt im Unternehmen eine große Rolle.

IMP: Herr Oberrauch, Sie haben in den letzten Jahren ein sehr erfolgreiches Unternehmen aufgebaut. Wie kam es zu dieser Entwicklung? Was war aus Ihrer Sicht ausschlaggebend für den heutigen Erfolg?

Oberrauch: Ich denke, meinen heutigen Erfolg verdanke ich zum Großteil der Weisheit und Weitsicht meines Vaters Dieser hatte bereits als junger Mann geschäftliche Ambitionen und ging mit 25 Jahren nach Bozen, um sich dort mit der Firma Oberrauch-Zitt im Konfektionsbereich selbstständig zu machen. Das waren also die Anfänge meines Vaters.

Im Jahr 1977 stellte er dann einmal in Gegenwart meines älteren Bruders und mir fest: „In Bozen fehlt ein Sportgeschäft“. Aufgrund seiner eigenen Erfahrungen hatte er wohl ein gewisses Gespür für den richtigen Zeitpunkt. Also baute er für uns ein Sportgeschäft und stellte uns zwei seiner besten Verkäufer zur Seite. Ich war damals 19 Jahre alt und hatte kurz zuvor mein Abitur gemacht. Mein Bruder war nur zwei Jahre älter als ich. Die Idee, ein Sportgeschäft mit 700 m² zu eröffnen, war damals revolutionär, weil bis zu diesem Zeitpunkt nur kleine Sportgeschäfte üblich waren. Es gab zwar schon Vorbilder, wie beispielsweise den „Sport Schuster“ in München, aber in Südtirol oder Italien gab es nichts Vergleichbares. Von Anfang an schenkte mein Vater uns sein volles Vertrauen und gab uns den nötigen Freiraum. Das war für meinen Lebensweg sehr prägend. Mit Begeisterung gingen mein Bruder und ich unsere neue Aufgabe an. Natürlich machten wir auch viele Fehler. Aber unser Vater mischte sich niemals ein. Manchmal brachte er zwar seine Überlegungen mit ein, aber er ließ uns genügend Freiraum.

Die Universität St. Gallen publizierte einmal eine Studie über Erfolgsfaktoren im Management, die ich mit großem Interesse las. Diese Studie ging der Frage nach, was ein förderlicher „Nährboden“ für gutes Management sei. Das Ergebnis dieser Untersuchung waren nun aber keine zentralen Erfolgsfaktoren auf Basis von Religion, philosophischen Werten, Familien- oder Persönlichkeitsstrukturen oder dergleichen. Stattdessen kristallisierten sich zwei Dinge heraus, die auch mein Bruder und ich erfahren hatten: Erstens, in jungen Jahren zu führen, denn wir konnten uns bereits in der Jugendarbeit engagieren. Zweitens, ein gutes Vorbild zu haben. Und das hatten wir in unserem Vater.

Neben meinem Vater hat mich aber auch eine Aussage meiner Frau, die Psychologin und Psychotherapeutin ist, sehr geprägt. Sie meinte einmal zu mir, dass es aus tiefenpsychologischer Sicht eigentlich nur zwei Grundmotivatoren gäbe: Menschen werden entweder von der Angst, nicht zu „überleben“ angetrieben – das sei der Urtrieb, der Urstimulator, meinte sie. Beim zweiten Treiber ginge es darum, „geliebt und geschätzt“ zu werden. Im Grunde genommen drehe sich alles um das große Wort „Liebe“. Da ich ein harmoniebedürftiger Mensch bin, entspricht es nicht meinem Naturell, über das „Motiv der Angst“ zu führen. Für mich geht es vielmehr darum, Spuren im Leben zu hinterlassen, etwas zu erreichen und ein Umfeld zu schaffen, in dem sich die Menschen entwickeln können.

IMP: Welche Führungsgrundsätze leiten Sie?

Oberrauch: Ganz allgemein kann ich sagen, dass mich zwei Grundsätze leiten. Der erste heißt: „Positiv zieht Positiv an.“ Und den zweiten könnte man in etwa so formulieren: „Alle Menschen bzw. Mitarbeiter haben den gleichen Wert, nur die Verantwortungen sind verschieden!“ Ich versuche, das auch zu vermitteln und für alle Mitarbeiter da zu sein. Unser primäres Ziel ist es, herausragende Bergsportprodukte zu produzieren. Das gibt mir persönlich mehr als beispielsweise eine Bilanz, die um einen halben Prozentpunkt gesteigert werden konnte. Der Gewinn ist daher nicht das alleinige Ziel, sondern nur Folge eines Handelns. Für uns ist es wichtiger, Leute bei uns zu haben, die stolz darauf sind, hier zu arbeiten und die ihre Arbeit gerne machen. Ich denke, dass unsere Mitarbeiter das auch spüren. Ich bin davon überzeugt, dass sich eine positive Stimmung positiv auf das Unternehmen und die Menschen, die darin arbeiten, auswirkt. Wir machen daher auch oft gemeinsame Unternehmungen, was dazu führt, dass die Mitarbeiter mehr zusammenwachsen.

IMP: Welche Unternehmungen sind das? Und welche Besonderheiten gibt es sonst noch bei SALEWA, die zu dieser positiven Kultur beitragen?

Oberrauch: Was uns von anderen unterscheidet ist Folgendes: Unsere Mitarbeiter fühlen sich durch die gemeinsame Leidenschaft für den Bergsport sehr verbunden. Gemeinsam werden Radtouren, Skitouren oder Rodelabende organisiert. Alle fünf Jahre schließen wir den Betrieb zu und machen eine Woche lang Abenteuerurlaub, z.B. in der Wüste. Bei bestimmten Veranstaltungen für die Mitarbeiter sind auch deren Lebenspartner eingeladen, weil ich davon überzeugt bin, dass es ganz wichtig ist, dass auch sie unsere Philosophie verstehen und mit eingebunden werden. Aber ich denke, diese Dinge sind Standard und werden auch von anderen Unternehmen angeboten. Mit unseren Geschäftsführern gehen wir jedes Jahr ein verlängertes Wochenende lang Skifahren. Unsere Führungskräfte-Meetings veranstalten wir auch häufig auf einer unserer Hütten, sodass wir dann fernab vom Tagesgeschäft über neue Dinge nachdenken können.

IMP: Das klingt ja beinahe so, als ob SALEWA eine große Familie wäre?

Oberrauch: Das Wort Familie würde ich schützen wollen und im Privaten halten. Viele Unternehmen behaupten zwar von sich, sie seien eine große Familie, aber ich möchte da ein bisschen vorsichtiger sein. Ich würde eher sagen, dass wir eine Gemeinschaft von bergbegeisterten Menschen sind, die über SALEWA ihre Leidenschaft zum Beruf machen kann. Die Begeisterung für die Berge ist es, die uns verbindet. //

Im Jahr 1983 übernahm der damals 25-jährige Heiner Oberrauch mit seiner Oberalp-Gruppe zunächst den Vertrieb der Marke SALEWA in Italien, bevor er dann im April 1990 das Unternehmen selbst übernahm. Heute zählt SALEWA international zu den Top-Playern.

 
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HEINER OBERRAUCH
Inhaber und Geschäftsführer Salewa - Oberalp AG

"Warum bei Salewa der Buchstabe M groß geschrieben wird"

 

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